Technische Erläuterung: Auswahl der Maßnahmen

Ziel 1 von SOWtrack demonstriert, wie computergestützte Optimierung den risikobasierten Rahmen der EFSA in großem Maßstab operationalisieren kann. Durch die Identifizierung und Gewichtung von Eisbergindikatoren stellt das Projekt sicher, dass der endgültige Satz von ABMs nicht nur auf dem Bauernhof durchführbar ist, sondern auch die Wohlfahrtsabdeckung maximiert.

Dieser Ansatz setzt einen neuen Maßstab in der Methodik zur Indikatorenauswahl und bietet eine solide Grundlage für die EU-weite Risikobewertung und eine praktische, wissenschaftlich fundierte Wohlfahrtsüberwachung.

Einleitung

Das erste Ziel von SOWtrack ist die Identifizierung eines robusten Satzes von tierbezogenen Maßnahmen (ABMs), die das Wohlbefinden von Sauen und Ferkeln effektiv bewerten. Dies erfordert ein Gleichgewicht zwischen wissenschaftlicher Validität, Durchführbarkeit und Konsistenz in den verschiedenen europäischen Haltungssystemen.

Der SOWtrack-Ansatz basiert auf dem risikobasierten Rahmen der EFSA, der Wohlfahrtsgefahren (z. B. Bodenbelag, Fütterung, Stallgestaltung) mit Wohlfahrtsfolgen (z. B. Lahmheit, Verletzungen, Mortalität) verbindet. Dieser Rahmen bildet zusammen mit den von der EFSA veröffentlichten wissenschaftlichen Gutachten zum Schweinewohl die wissenschaftliche Grundlage für die Arbeit von SOWtrack.

Eine wichtige Innovation von SOWtrack ist der Einsatz von Optimierungsalgorithmen, um die effizienteste Kombination von Indikatoren zu identifizieren und so eine breite Abdeckung von Wohlfahrtsgefahren zu gewährleisten und gleichzeitig das Protokoll praktikabel zu halten.

Eisbergindikatoren

Nicht alle ABMs sind in Bezug auf ihre Verbindungen zu Wohlfahrtsfolgen gleich. Einige Indikatoren sind nur mit einer oder zwei Wohlfahrtsfolgen verbunden, während andere mit vielen verbunden sind. Letztere können als „Eisbergindikatoren“ bezeichnet werden. Ein Eisbergindikator ist eine einzelne Maßnahme, die Informationen über mehrere zugrunde liegende Wohlfahrtsfolgen liefert.

Zum Beispiel:

  • Lahmheit kann Probleme mit dem Bodenbelag, der Fütterung oder dem Gruppenmanagement widerspiegeln.

  • Körperkondition kann auf langfristige Fütterungsprobleme, Krankheit oder Futterkonkurrenz hinweisen.

  • Ferkelsterblichkeit kann sowohl das mütterliche Wohlbefinden als auch Umweltprobleme aufzeigen.

Durch die Erfassung mehrerer Wohlfahrtsdimensionen in einer Beobachtung können Eisbergindikatoren sehr effiziente Werkzeuge sein.

Optimierungsansatz

Um Eisbergindikatoren und andere ABMs optimal zu nutzen, wendet SOWtrack einen strukturierten Optimierungsprozess an:

  1. Datenerfassung

    • Es wird eine Datentabelle erstellt, die jede ABM mit den bekannten Wohlfahrtsgefahren und -folgen verknüpft

    • Die Abdeckungsstärke jeder ABM wird berechnet, indem die Anzahl der eindeutigen verknüpften Wohlfahrtsfolgen gezählt wird (ein Index der „Eisbergigkeit“).

  2. Einschränkungen

    • Sensitivität und Durchführbarkeit werden als limitierende Faktoren betrachtet.

  3. Zielfunktion

    • Maximierung der Abdeckung von Wohlfahrtsfolgen, wobei Eisbergindikatoren, die mehrere Probleme auf einmal abdecken, stärker gewichtet werden.

    • Minimierung der Redundanz, so dass dieselbe Wohlfahrtsfolge nicht ohne Mehrwert wiederholt gemessen wird.

  4. Algorithmen

    • Lineare Programmierung und kombinatorische Optimierung werden verwendet, um die effizienteste Kombination von ABMs zu identifizieren.

    • Der Algorithmus gleicht die Abdeckung effektiv mit der praktischen Durchführbarkeit ab und stellt sicher, dass der gewählte Satz maximale Informationen innerhalb der für Hofbesuche verfügbaren Zeit erfasst.

Repository und Transparenz

Die ausgewählten ABMs werden in einem strukturierten Repository erfasst, das Folgendes dokumentiert:

  • Definitionen und Bewertungsprotokolle

  • Verbindungen zu Gefahren und Folgen

  • Hinweise zur Durchführbarkeit und Zuverlässigkeit

  • Unterstützende Referenzen

Dieses Repository gewährleistet Konsistenz, Transparenz und Reproduzierbarkeit bei der Erfassung von Wohlfahrtsdaten.

Ergebnisse und Bedeutung

Die Methodik wird einen wissenschaftlich validierten, optimierten Satz von ABMs hervorbringen, der:

  • Erfasst die wichtigsten Wohlfahrtsfolgen, die in den Gutachten der EFSA und anderswo hervorgehoben werden

  • Verwendet Eisbergindikatoren, die mehrere Wohlfahrtsdimensionen effizient abdecken

  • Bietet maximale Abdeckung bei minimalem Aufwand vor Ort

  • Ist transparent, reproduzierbar und basiert auf einer risikobasierten Bewertung

Durch die Kombination des Risikorahmens der EFSA mit Optimierungsalgorithmen wird SOWtrack die Wohlfahrtswissenschaft über einfache Indikatorlisten hinaus voranbringen. Die Erkennung und systematische Verwendung von Eisbergindikatoren ist von zentraler Bedeutung für die Erreichung eines ausgewogenen, effizienten und vertretbaren Protokolls.