Projekt

Einleitung

SOWtrack (Animal-Based Measures for Tracking Welfare in Sows and Piglets) ist ein europäisches Projekt, das von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gefördert wird. Ziel ist die Entwicklung einer harmonisierten Methode zur Erhebung von Tierwohldaten in Schweine haltenden Betrieben in ganz Europa. Im Laufe von drei Jahren wird das Projekt 345 Betriebe in 10 Ländern besuchen, die 14 verschiedene Produktionssysteme repräsentieren.

Das Projekt wird den ersten EU-weiten Datensatz über das Tierwohl von Sauen und Ferkeln liefern. Dieser Datensatz wird quantitative Risikobewertungen des Tierwohls ermöglichen, evidenzbasierte politische Entscheidungen unterstützen und eine zuverlässige Grundlage für die Verbesserung der Tierwohlstandards im gesamten europäischen Schweinesektor bilden.

Gleichzeitig stellt SOWtrack Landwirtinnen und Landwirte in den Mittelpunkt. Die Teilnahme ist freiwillig und jeder Betriebsbesuch ist so gestaltet ist, dass er effizient durchgeführt wird und die betrieblichen Abläufe respektiert. Alle Betriebs- und personenbezogenen Daten werden vor der Weitergabe anonymisiert und entsprechen vollständig den Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO ). Teilnehmende Betriebe erhalten ein vertrauliches Benchmarking-Feedback, das hilfreiche Einblicke bietet und zugleich die Privatsphäre schützt.

Ziele

SOWtrack verfolgt zwei Hauptziele:

1. Ermittlung der wirksamsten tierbezogenen Indikatoren (ABMs) für die Tierwohlbewertung.
ABMs sind Indikatoren, die direkt am Tier erfasst werden, wie z. B. Körperzustand, Verletzungen oder Verhalten. Sie liefern stichhaltige Hinweise für die Tierwohlsituation. Das Projekt wird bestehende Indikatoren überprüfen, ihre wissenschaftliche Validität bewerten und diejenigen auswählen, die:

  • Mit wichtigen Tierwohlrisiken und -folgen verbunden sind

  • In kommerziellen Betrieben praktikabel sind

  • Sensibel genug sind, um Tierwohlprobleme frühzeitig zu erkennen

Die ausgewählten ABMs werden in einem strukturierten Repositorium mit detaillierten Beschreibungen und Hinweisen zur einheitlichen Anwendung gespeichert.

2. Entwicklung und Anwendung eines harmonisierten Protokolls für die Datenerhebung auf landwirtschaftlichen Betrieben.
Auf Basis der ausgewählten ABMs entwickelt das Konsortium ein standardisiertes Protokoll für Betriebsbesuche. Dieses Protokoll wird in einer Pilotstudie getestet, auf Grundlage von Rückmeldungen der Landwirtinnen und Landwirte weiter verfeinert und anschließend in einer groß angelegten Datenerhebung angewendet. Ein Team geschulter Tierwohlbeurteilerinnen und -beurteiler wird Betriebe in 10 Ländern besuchen, um so eine konsistente und vergleichbare Datenerhebung sicher zu stellen.

Die erhobenen Daten werden sicher in einer Prototyp-Datenbank gespeichert. Diese Ressource ermöglicht es der EFSA Risikobewertungen durchzuführen, politische Entscheidungsprozesse durch evidenzbasierte Daten zu unterstützen und erlaubt teilnehmenden Betrieben, ihre Ergebnisse mit anonymisierten Durchschnittswerten zu vergleichen.

Methodik

Identifizierung von tierbezogenen Indikatoren (ABMs)

Das Projekt beginnt mit der Zusammenstellung von ABMs aus der wissenschaftlichen Literatur, früheren EU-Projekten und nationalen Datenbanken. Jede Indikator wird bewertet im Hinblick auf:

  • Relevanz: Der Zusammenhang zu bekannten Tierwohlrisiken (z. B. Haltung, Fütterungssysteme) und -folgen (z. B. Lahmheit, Ferkelsterblichkeit).

  • Durchführbarkeit: ob er schnell, nicht-invasiv und ohne Beeinträchtigung der Betriebsabläufe erhoben werden kann.

  • Robustheit: seine Zuverlässigkeit über verschiedene betriebliche und produktionstechnische Kontexte hinweg.

Dieser Prozess stellt sicher, dass nur die aussagekräftigsten und praktikabelsten Indikatoren weiterverfolgt werden.

Aufbau des Repositoriums

Die ausgewählten ABMs und die dazugehörigen „Kontextdaten“ (wie z. B. Haltungsform, Stallgröße, Einsatz von Beschäftigungsmaterial und Managementroutinen) werden in einem strukturierten Repositorium zusammengeführt. Diese Datenbank ermöglicht es Forschenden sowie Tierwohlbeurteilerinnen und -beurteiler, die Indikatoren auf allen Betrieben einheitlich anzuwenden.

Entwicklung des Protokolls

Anschließend wird ein standardisiertes Protokoll erarbeitet, das detailliert beschreibt, wie jeder Indikator bei Betriebsbesuchen erhoben werden soll. Das Protokoll ist so konzipiert, dass es wissenschaftliche Stringenz und praktische Durchführbarkeit in Einklang bringt. Die Betriebsbesuche sind auf einen halben Tag angelegt, sodass die Beeinträchtigung der Landwirtinnen und Landwirte gering gehalten wird, während zugleich die relevanten Tierwohldaten erhoben werden.

Pilotstudie

Vor der vollständigen Einführung wird das Protokoll in einer kleineren Anzahl von Betrieben in mehreren Ländern getestet. Diese Pilotphase stellt sicher, dass die Indikatoren in verschiedenen Kontexten funktionieren und dass die Tierwohlbeurteilerinnen und -beurteiler sie einheitlich anwenden können. Die Rückmeldungen der Landwirtinnen und Landwirte ist ein wichtiger Bestandteil dieses Schritts und trägt dazu bei, das Protokoll für die Praxis zu verfeinern.

Schulung der Tierwohlbeurteiler:innen

Die Vergleichbarkeit zwischen Ländern ist entscheidend. Die Beurteilerinnen und Beurteilung für das Tierwohl durchlaufen eine zentral organisierte Schulung, die sowohl theorethische Einheiten als eine praktische Schulung umfasst. Die Schulung umfasst die Theorie hinter den ABMs, die praktische Beurteilung von Tieren sowie Tests, ob Beurteiler:innen in ihren Ratings übereinstimmen, um eine hohe Zuverlässigkeit zu gewährleisten.

Groß angelegte Datenerhebung

Nach der Pilotphase werden Daten in 350 Betrieben in 10 Ländern erhoben, die 14 unterschiedliche Produktionssysteme abdecken. Pro Land führen zwei geschulte Tierwohlbeurteiler:innen die Besuche durch, unterstützt von sogenannten „harmonisierenden“ Evaluatorinnen und Evalutoren, die zur Sicherstellung der Konsistenz der Daten über Ländergrenzen hinweg beitragen.

Datenschutz und Datensicherheit

Ein zentrales Merkmal von SOWtrack ist sein striktes Bekenntnis zum Datenschutz.

  • DSGVO-Konformität: Alle personenbezogenen Daten und Betriebsdaten werden in Übereinstimmung mit der Datenschutz-Grundverordnung (EU) 2016/679 behandelt.

  • Anonymisierung: Jedem Betrieb wird ein eindeutiger Code zugewiesen; persönliche Kennungen werden entfernt, bevor die Daten an die EFSA weitergegeben oder in Analysen verwendet werden.

  • Verschlüsselung: Die Daten werden sowohl bei der Übertragung als auch bei der Speicherung in der Datenbank verschlüsselt.

  • Vertraulichkeit: Die Identität der Landwirtinnen und Landwirte wird niemals in Veröffentlichungen oder Berichten offengelegt.

Diese Schutzmaßnahmen gewährleisten, dass sensible Betriebsdaten geschützt bleiben und gleichzeitig wertvolle Erkenntnisse für Wissenschaft und Politik gewonnen werden können.

Teilnahme von Landwirt:innen

Was die Teilnahme beinhaltet
  • Ein halbtägiger Betriebsbesuch durch eine:n geschulte:n Tierwohlbeurteiler:in

  • Nicht-invasive Beobachtungen von Sauen und Ferkeln sowie die Erfassung betrieblicher Hintergrundsdaten

  • Optionale Einbeziehung von Produktions- oder Tiergesundheitsdaten, falls verfügbar

Vorteile für Landwirt:innen
  • Vertrauliches Feedback: Die teilnehmenden Betriebe erhalten Benchmarking-Berichte, in denen ihre (anonymisierten) Ergebnisse mit denen ähnlicher Systeme in anderen Ländern verglichen werden.

  • Beitrag zu Wissenschaft und Politik: Die Landwirtinnen und Landwirte leisten einen direkten Beitrag zur ersten harmonisierten EU-weiten Datenbank über das Tierwohl von Sauen und Ferkeln.

  • Aufwandsentschädigung: Die Landwirtinnen und Landwirte erhalten eine Vergütung für zeitlichen und organisatorischen Arbeitsaufwand im Zusammenhang mit den Betriebsbesuchen der Tierwohlbeurteilerinnen und -beurteiler.

Die Teilnahme ist freiwillig, und die Gewinnung von Betrieb wird von lokalen Organisationen, landwirtschaftlichen Verbänden und Beratungsdiensten unterstützt, um eine reibungslose Kommunikation und Begleitung sicherzustellen.

Erwartete Ergebnisse

Bis zum Ende des Projekts wird SOWtrack Folgendes liefern:

  • Ein validiertes Repositorium von Tierwohlindikatoren für Sauen und Ferkel

  • Ein harmonisiertes, praktisches Protokoll für die Tierwohlbewertung auf landwirtschaftlichen Betrieben

  • Ein geschultes Netzwerk von Tierwohlbeurteilerinnen und -beurteiler in 10 Ländern

  • Eine sichere EU-weite Datenbank, mit Daten von 350 Betrieben

  • Vertrauliches Benchmarking-Feedback für teilnehmende Landwirtinnen und Landwirte

  • Eine fundierte Datengrundlage zur Unterstützung der Risikobewertung der EFSA und der EU-Politikgestaltung

Diese Ergebnisse schaffen eine belastbare wissenschaftliche Grundlage für die Überwachung des Tierwohls und unterstützen zugleich Landwirtinnen und Landwirte mit praxisrelevanten Erkenntnissen sowie einer angemessenen Anerkennung ihrer Rolle bei der Weiterentwicklung des Sektors.

Das Konsortium

SOWtrack vereint führende Universitäten, Forschungsinstitute und Referenzzentren für Tierschutz in ganz Europa. Das Projekt wird von der Universität Helsinki koordiniert, wobei die Norwegische Universität für Lebenswissenschaften (Leitung Ziel 1) und die Autonome Universität Barcelona (Leitung Ziel 2) zu den Kernpartnern gehören.

Unterstützende Partner in 10 Ländern stellen Fachwissen in den Bereichen Tierwohl, Betriebsführung und lokale Rekrutierung bereit. EURCAW-Pigs-Partner, darunter das Friedrich-Loeffler-Institut und die Wageningen University & Research, spielen eine zentrale Rolle bei der Schulung der Tierwohlbeurteilerinnen und -beurteiler sowie bei der langfristigen Sicherstellung der Datenbank.

Diese Kombination aus wissenschaftlicher, technischer und praktischer Expertise stellt sicher, dass SOWtrack sowohl qualitativ hochwertige Wissenschaft als auch Realisierbarkeit in der Praxis liefern kann.

Zusammenfassung

SOWtrack ist ein ehrgeiziges und praxisorientiertes Projekt, das Wissenschaft, Politik und landwirtschaftliche Praxis miteinander verbindet. Durch die Ermittlung der wirksamsten Tierwohlindikatoren, die Entwicklung eines harmonisierten Protokolls und die Erhebung von Daten von 345 Betrieben wird das Projekt eine zuverlässige EU-weite Datenbank über das Tierwohl von Sauen und Ferkeln erstellen.

Landwirtinnen und Landwirte sind wichtige Partner bei dieser Arbeit. Die Teilnahme ist freiwillig, vertraulich und wird sowohl mit Feedback als auch mit einer Entschädigung belohnt. Der Datenschutz wird in jeder Phase gewährleistet, um sicherzustellen, dass sensible Informationen geschützt bleiben.

Langfristig wird SOWtrack die Risikobewertung stärken, die evidenzbasierte Politikgestaltung unterstützen und dazu beitragen, die Tierwohlstandards im gesamten europäischen Schweinesektor zu verbessern. Für die Landwirtinnen und Landwirte stellt es eine Möglichkeit dar, zur Gestaltung der Zukunft der Tierwohlbewertung beizutragen und gleichzeitig Erkenntnisse zu gewinnen, die ihre eigene Betriebsführung unterstützen.